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„Warum spielst DU gegen TTIP?“ – Statement von Jörn (Zwischenmiete)

Wir haben die Künstler & Musiker, die an unserer nächsten Tanzdemo am 30. April einen unserer Wägen beschallen und euch einheizen werden, gefragt: Warum macht ihr das? Was ist euch an der Demo wichtig, welche politische Message wollt ihr in die Welt hinaus-bassen?

Die nächsten Statements kommen von der Zwischenmiete-Crew, die die elektronische Musikszene Kölns seit letztem Jahr mit einem eigenen Podcast und seit kurzem auch mit eigenen Parties aufmischt. Auch bei der Tanzdemo 2016 sind sie voll dabei und stellen einen eigenen Wagen.

Jörn protestiert v.a. gegen die weitere Entfesselung des unethischen & unmenschlichen Welthandels durch TTIP:

Ein Freund aus den USA, der zum indigenen Volk der Lakota gehört, hat mich einmal gefragt, ob ich mir bewusst darüber bin, dass die USA auf der Ermordung von 30-40 Millionen indigener Menschen basiert. Heute verkörpern die USA das oberste Leitprinzip unserer Welt „Wachstum ohne Grenzen“ und „Wachstum ohne Rücksicht auf Verluste“. Dieses Leitbild hat weltweit zu Artensterben, Ausbeutung, Zerstörung, Krieg, Gier, Egoismus und einer Spaltung in Arm und Reich geführt. Die Folgen dieser Ausbeutung ganzer Kontinente bekommen wir jetzt etwa in der Flüchtlingswelle zu spüren. Wir haben vergessen, dass wir ein Teil eines großen Ganzen sind und berauben uns unserer eigenen Lebensgrundlage. Jeden Tag verschwinden riesige Wälder, obwohl wir wissen, dass Pflanzen uns die Luft zum Atmen liefern.
Wie ist das möglich? Im Angesicht solch einer unmenschlichen zerstörerischen Maschine kann man sich leicht machtlos und ohnmächtig fühlen. Aber auch wir ganz „normale“ Bürger sind verantwortlich. Wir werden manipuliert und lassen uns manipulieren. Die Verlockungen sind groß. Es wird alles getan, damit wir nicht zur Ruhe kommen und uns einfach glücklich fühlen. Wir werden angehalten zu konsumieren, in Wettbewerb zu treten, Macht zu erlangen, uns besser als Andere zu fühlen.

Nun haben die USA Europa als Wachstumsmarkt entdeckt, denn hier gibt es noch bisher ungenutztes Ausbeutungspotential. Große Konzerne erarbeiten die Transatlantische Handels- & Investitionspartnerschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Ausschluss unserer Volksvertreter. Vorher wurden noch im Namen der Demokratie andere Länder militärisch überfallen, jetzt wird unsere in Europa gewachsene Demokratie ausgehebelt. Die großen deutschen Konzerne finden das toll und versprechen günstigere Produkte und mehr Arbeitsplätze. Wie oft haben wir diese leeren Versprechungen schon gehört ? Liebe CEOs wann beginnt ihr endich als Mütter, Väter, Großmütter und Großväter anstatt als CEOs zu handeln?

Ich war mit einem lachenden und einem weindenden Auge mit dabei in Berlin auf der TTIP Demonstration. 250000 Menschen, die ihren freien Willen nutzen um sich friedlich zusammenzuschliessen war ein tolles Gefühl. Auf der anderen Seite fand ich es erschreckend, dass so wenig Menschen Anteil an TTIP nehmen. Denn es geht ums „Eingemachte“: Soziale und ökologische Standards, öffentliche Dienstleistungen und Kulturangebote müssen sich Wettbewerb und Profit unterordnen. Die Verhandlungen sind intransparent und undemokratisch. Unternehmen bekommen aussergerichtliche Klagerechte gegen erlassene Gesetze. Gentechnisch verändertes Saatgut, mit Wachstumshormonen gefütterte Tiere erhalten Einzug in unser Ökosystem und unsere Nahrungskette. Es werden Patente für einzelne Pflanzenarten an Unternehmen vergeben. Atomkraft und Fracking werden gefördert. Unsere kulturelle Vielfalt steht auf der Abschussliste, denn nach TTIP sollen auch regionale Spezialitäten nicht mehr geschützt werden. Kölsch wird also demnächst in Atlanta gebraut. Schon jetzt werden wir durch die Macht amerikanischer Konzerne und unter dem Deckmantel „War on terror“ unserer Privatsphäre beraubt.

Die Welt braucht ein ethisches Fundament, moralische Werte die unserem Handeln und unseren Entscheidungen einen Rahmen geben. Entweder wir schaffen eine ethische Gesellschaft oder es wird irgendwann keine mehr geben. Erst wenn der letzte Fluss vergiftet, der letzte Baum gefällt, werden wir feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Ich bin für einen gerechten Welthandel, der regionale Wirschaftkreisläufe stärkt.

Die Statements von zwei weiteren Crewmitgliedern der Zwischenmiete, Nikkes & Marcel, gibt’s morgen im nächsten Post. Ihr dürft gespannt sein – vor allem auch auf ihren bunten, abwechslungsreichen Sound auf der Tanzdemo!

binschn

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