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„Refugees Welcome“ und Freihandelskritik – wie passt das zusammen?

„Refugees Welcome“ – wie passt der zweite Teil unseres Mottos zu den übrigen Themen der Tanzdemo? Abgesehen davon, dass eine Positionierung für Flüchtlinge in den heutigen Zeiten immer wichtiger wird, sehen wir auch einen wichtigen Kausalzusammenhang zwischen Freihandelsabkommen und den Flüchtlingsbewegungen.

Es besteht kein Zweifel, dass die große Zahl an Flüchtlingen unser Land vor eine große Herausforderung stellt.  Aber seien wir mal ehrlich: wer beutet die (immer noch) Dritte Welt aus wie zu den schlimmsten Kolonialzeiten? Und wer tötet fast täglich Zivilisten feige mit Drohnen?

Auch wir können Flüchtlinge “nicht gut” finden. Weil wir Flucht, Vertreibung und extreme wirtschaftliche Not nicht gut finden können.  Wir wollen nicht die Flüchtlinge bekämpfen, sondern die Ursachen.

Unsere “transatlantischen Freunde” haben Afghanistan, Irak und Libyen “befreit”.  Die CIA hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit selbst die Taliban und den IS aufgebaut und jahrelang militärisch unterstützt. In Libyen fanden zuvor Millionen von Afrikanern Heim und Brot. Heute ist Libyen kaputt. Und als nächstes ist Syrien dran, und die Kurden.  Auch hier unterstützen unsere “transatlantischen Freunde” den Kurs Erdogans, militärisch massiv gegen die Kurden vorzugehen – wie viele Menschen werden diesmal fliehen, und wohin? Nach Amerika vielleicht?

Aber auch Europa leistet Großes wenn um es um die Ursachen von Flucht geht. Es wurden Freihandelsabkommen mit Afrika geschlossen, welche natürlich nicht zum Vorteil der afrikanischen Länder sind; es wurden massiv Fischereirechte aufgekauft und den afrikanischen Fischern bleibt: Nichts.  Afrika wird von europäischen, und insbesondere auch Deutschen, Billigstlebensmitteln überschwemmt und die einheimischen Märkte zerstört. Unser Müll wird in einfach in die afrikanische Landschaft gekippt und die seltenen Erden für unsere Smartphones kaufen “wir” bei Schwerstkriminellen Killerbanden.

Wir fordern Solidarität mit den Menschen die zu uns kommen! Niemand verlässt freiwillig seine Heimat, seine Familie und seine Freunde.  Lasst uns die imperialistischen Kriege unserer “transatlantischen Freunde” endlich stoppen! Lasst uns endlich faire Handelsbedingungen schaffen, nicht nur für Afrika, auch für Amerika und die ganze restlich Welt – und zwar ohne TTIP/CETA Schiedsgerichte!

Das Golddorf (Dokumentarfilm)

Die weltweite Ausbeutungspyramide am Beispiel Afrika (Telepolis)

Flucht nach Europa (Arte Thema)

binschn

6 Comments

  1. Ich halte es für falsch diese Themen zu veknüpfen. Das wird zu beliebig…dann kann man auch gleich allgemein „gegen das Böse auf der Welt“ demonstrieren.

  2. Lieber Andre,

    ich verstehe deinen Punkt, dass man bei so ner Aktion nicht zu viele Themen vermischen sollte – wir haben uns aber ganz bewusst breit aufgestellt, da es uns primär um eine Mobilisierung der unpolitischen Masse geht: Die Leute sollen anfangen, selbst zu denken, sich aktiv zu informieren und zu beteiligen – mit unserer Tanzdemo wollen wir zeigen, dass politisches Engagement sogar Spaß machen kann und gar nicht so „uncool“ ist. Ob das Engagement jetzt gegen TTIP geht oder andere Dinge, die Freiheit, Demokratie, soziale Rechte bedrohen, kann jeder für sich selbst entscheiden, da sowieso Vieles miteinander zusammenhängt. Hauptsache das politische Engagement wird wieder angesagter!

    Trotzdem sehen wir sogar nen direkten Zusammenhang zwischen Freihandelsabkommen & Fluchtbewegungen. Schau dir an, was z.B. unsere Abkommen mit afrikanischen Ländern machen… Und auch durch TTIP werden Entwicklungsländer benachteiligt: Sie können die neuen Regeln nicht mitbestimmen, werden aber ganz reale Folgen des Abkommens zu spüren bekommen. Nach Afrika werden z.B. noch mehr billige Agrarprodukte exportiert, die Kleinbauern werden ruiniert. Der Raubbau an Rohstoffen und der Preisdruck auf globale Zulieferer wird zunehmen. Nachhaltige Produktionsverfahren werden erschwert. DIe Liste lässt sich noch ewig weiterführen…

    Und nicht zuletzt gibt uns das Motto ne Chance, uns abzugrenzen gegen Leute, mit denen zusammen wir nicht demonstrieren wollen. So viele Demos sind schon von der falschen Seite instrumentalisiert worden, dass es wichtig ist, von vorneherein klare Kante zu zeigen.

  3. Hallo, ich schließe micht der Meinung von Andre Schmitz an. War gerade auf dem Weg zu Eurer Demo gegen TTIP um mitzumachen, aber hinter „Refugees welcome“-Plakate stelle ich mich nicht. Eine solche Nachricht in die Welt zu posaunen, ohne dass die Leute hier in Wohnung und Arbeit gebracht werden können, halte ich für unverantwortlich. Schade drum.

    • Hallo Andreas,

      danke für deinen Kommentar – wir finden es allerdings schade, dass Du so denkst. Unserer Meinung nach ist es bloßer Zufall, in welches Land wir hineingeboren werden. Wir, die das Glück haben, in einem wirtschaftsstarken, entwickeltem und recht fortschrittlichem Land geboren zu sein, sollten deshalb unserer Meinung nach Anderen mit weniger Glück so gut es geht zu einem besseren Leben verhelfen. Mit der wirtschaftlichen Globalisierung und der westlichen Mitverantwortung an einer ganzen Reihe von Fluchtursachen wird aus diesem „Sollen“ unserer Meinung nach dann sogar eine Pflicht: Wenn wir Gewinne machen, gibt es natürlicherweise Andere, die verlieren. Für diejenigen sind wir mitverantwortlich!

      Aus diesen Gründen war und ist uns das Motto „Refugees Welcome!“ ein ganz besonders wichtiges Anliegen, auch bei der Tanzdemo.
      Viele Grüße!

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